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Warum gut nicht gut genug ist
Die Berufungsgeschichte von Valentin Gögele LC
Valentin Gögele wurde am 20. Dezember 1979 in Meran, Südtirol, als zweiter Sohn einer 6-köpfigen Familie geboren. Nach sieben Jahren zähen Ringens mit dem Willen Gottes entschloss er sich, dem Ruf Christi zu folgen. Im selben Jahr im großen Jubiläum 2000 fand auch sein Bruder Thomas sein Zuhause in der Gemeinschaft.

Was hältst du davon, Gott diesen Sommer einige Wochen zu widmen, um zu sehen, was sein Wille für dein Leben ist?" Mir lief ein kalter Schauer über den Rücken. Ich war zu jung! Dreizehn Jahre alt und kein

bisschen scharf auf ein eintöniges Leben zwischen Kniebank und Pfarrhaus. Ich ließ den Löffel sinken, mit dem ich verlegen im Eisbecher gestochert hatte, versuchte, so sicher wie möglich zu wirken und antwortete: Nein, ich will nicht!" Er hakte nach: Warum?" Ich stammelte: W...w...weil ich weiss, dass mich Gott dann einladen würde zu bleiben." Ich erschrak über meine eigenen Worte. Nach diesem Zwischenfall kam das Thema nie wieder zur Sprache und im Nachhinein bin ich meinem Freund der seit fünf Jahren selbst Priester ist unheimlich dankbar für den großen Respekt, den er meiner Freiheit in jenen Jahren zollte. Gott sollte mir seine Wege später aufzeigen. Jetzt war ich wohl noch nicht bereit dazu.

Vielleicht hört man das ja öfter zu solchen Anlässen, aber ich komme nicht darum herum, es aus ganzem Herzen zu wiederholen: ich komme aus einer wunderbaren Familie, in der Gott in mir den Samen des Glaubens von klein auf sorgfältig behüten und pflegen konnte. Meine Eltern lebten mir immer eine echte Hingabe an Gott und die Menschen vor.

In meiner Jugendzeit war ich ohne Zweifel einer der glücklichsten Menschen der Welt. Es kam teilweise in meinem erfüllten Glück so weit, dass ich dachte, ich befände mich in einem Film: gute Noten (trotz Mindesteinsatz), Unmengen an erfolgreichem Sport, Gesundheit, die besten Freunde der Welt, Jugendarbeit, Sommerlager, ehrliche Beziehungen, Reisen, gut bezahlte Jobs, psychische Ausgeglichenheit, Ziele, Träume, Sinn. Ich konnte mir keine Steigerung mehr vorstellen.

Der natürliche Umgang mit dem Glauben half mir, mein Leben in den meisten Situationen ins rechte Licht zu rücken. Wenn es hart auf hart ging, kamen zuerst Gott und der Himmel, dann der Rest. Dabei gab es nur zwei Unstimmigkeiten: Erstens ging es nicht immer hart auf hart", und zweitens war ich weit weg vom vollen Verständnis des Warum meiner Entscheidungen. Nie hatte ich am Sonntag die Hl. Messe verpasst; das Warten bis zur Ehe war eine Selbstverständlichkeit; es stand außer Frage, dass ich meine Kinder in festem Glauben erziehen würde. Auf der anderen Seite aber war mein Studentenleben keine moralische Augenweide; ich stand in der Kirche oft mehr schlecht als recht; mein Leben war voller kleiner und großer Sünden. Ich war gut und war es doch nicht. Mir war wie gesagt das Warum zum Gutsein ein Rätsel. Es war der Kloß in meinem Herzen. Mein Problem war die gnadenlose Inkohärenz, und mir war klar, dass ich aus der guten Erziehung in der Familie selbständige Überzeugungen machen musste.

Meine Berufung hat eine Stunde und einen Ort. In Gedanken versunken stand ich bei den Legionären in Rom im Chorraum und blickte auf die 22 Männer, die an jenem 1.1.2000 zum Priester geweiht wurden. Auch jener Seminarist, der mich sieben Jahre zuvor eingeladen hatte, Gott gegenüber großzügig zu sein, lag dort in demütiger Erwartung. Er hatte wirklich alles verlassen Freundin, Erfolg, seine Karriere als Basketballer in der amerikanischen Nationalliga. Und je mehr ich darüber nachdachte, desto weicher wurden mir Herz und Knie. Ich weinte leise vor mich hin und dachte nur immer und immer wieder: Und warum sind es nicht 23?" Und weiter: Aber wie, Herr, werde ich je den Mut haben, diesen Schritt zu tun?" Aber gerade in diesem Moment zeigte sich die Kraft und die unendliche Liebe Gottes die niemals zwingt, aber für jeden von uns das Beste möchte in voller Größe. Er überhäufte mich mit Gnaden, und nur zwei Wochen später befand ich mich bereits im Noviziat der Legionäre Christi.

Ich war sprachlos, als sich mir in jenen ersten Wochen und Monaten auf eine unglaublich sanfte und erfüllende Weise die Tür zum Geheimnis für uns Christen auftat. Einfache Gedanken wie Liebe ist Hingabe"; nicht das Beste für den Nächsten zu wollen, ist Gleichgültigkeit"; alles vergeht das Einzige, was bleibt, ist das, was du für Gott und deinen Nächsten vollbracht hast" ließen den Kloß, den ich seit jungen Jahren in mir trug, wie einen Eisberg am lodernden Feuer dahinschmelzen. Das Phänomen Christsein bekam einen Sinn. Regeln, Normen, Gebote wurden belebt durch einen Geist. Einen Geist, der sich zumindest für mich auf zweifache Weise verlebendigte: in Jesus Christus, menschgewordener Gott, der zum Beispiel für all mein Handeln wurde; und im Hauptgebot der Liebe, das wohl des Rätsels Lösung für den Menschen und seine Probleme darstellt. Aus der beschämenden Inkohärenz und der ungelösten Frage nach dem Warum, wurde ein befreiendes Ja zu Christus, angespornt durch die Liebe. Meine Dankbarkeit Gott gegenüber für das Geschenk meiner Berufung werde ich wohl nie in Worten ausdrücken können.

Valentin Gögele LC

 

                                                                                                                                                                                                       
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Ein Apostolat der Legionäre Christi und des Regnum Christi im Dienst der Kirche.

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