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Ein irakischer Priester erzählt im Exklusiv-Interview mit AsiaNews, wie er zwölf Tage Entführung überlebte.
Damaskus
(www.kath.net) Selbst wenn er lacht, leuchtet sein Gesicht nicht. P. Hani Abdel
Ahad, 33, sitzt der Schock auch ein halbes Jahr danach noch in den Gliedern. Am
6. Juni 2007 wurde der irakische Priester in Bagdad
entführt. Zwölf Tage lang wurde
er von seinen Entführern misshandelt und gefoltert nur weil er Christ ist. Nach
seiner Befreiung ging er nach Damaskus. Im Exklusiv-Interview mit AsiaNews
erzählt P. Hani Abdel Ahad von seiner Gefangenschaft und warum er nicht mehr in
den Irak zurückkehren will.
P. Hani, sind Sie
schon vor Ihrer Entführung persönlich bedroht worden?
P. Hani Abdel
Ahad: Als ich entführt
wurde, war ich ein knappes Jahr aus dem Libanon zurück im Irak. Von 2002 bis
Juli 2006 habe ich in Beirut gelebt. Dort habe ich studiert und meinen Abschluss
in Vergleichender Religionswissenschaft gemacht. In Bagdad war ich zunächst
verantwortlich für junge Studenten am chaldäischen Seminar.
Das Gebäude wurde
mehrfach Angriffsscheibe von Aggressionen durch Milizen und Terroristen. Eine
Zeitlang haben sie ständig Leichen hereingeworfen, um uns zu erschrecken. Das
Seminar befindet sich in einer sehr sensiblen Zone, im Grenzgebiet zwischen dem
schiitischen Viertel Kadhimiya und dem sunnitischen Viertel Adhamiya. Ich habe
die Sache bei der Polizei angezeigt, aber niemand hat etwas getan.
Im November 2006 waren
nur mehr drei Studenten hier, und so wurde mir die Pfarre zur Göttlichen
Weisheit anvertraut. Nur wenigen Gläubigen gelang es, zur Messe zu kommen, und
wenn wir in die Kirche gingen, versuchten wir, dies so kurz wie möglich zu
machen, manchmal nur für ein schnelles Gebet. Fast jeden Tag wurde ich bedroht.
Mehrmals haben mich einige Männer auf Motorrädern umringt und mit Worten
attackiert. Ich bin trotzdem dort geblieben, um meine Arbeit weiterzutun.
Was ist dann an diesem
6. Juni passiert?
P. Hani Abdel
Ahad: Die Spannungen wurden
immer größer, bis zu jenem 6. Juni... diesem schrecklichen Tag. Ich war mit der
Arbeit in der Pfarre fertig und ging gerade nach Hause, zusammen mit jenen vier
Burschen, die dann zusammen mit mir entführt wurden. Plötzlich hielten uns
Milizen auf zwei Motorrädern auf und forderten unsere Ausweise: Wir wollen nur
wissen, wer du bist, weil wir dich noch nie hier gesehen haben, sagten sie. Ich
erklärte ihnen, ich sei ein Priester. Plötzlich kam ein Auto. Darin saß ein
Mann, dessen Gesicht verhüllt war. Er befahl: Der Priester kommt mit uns. Die
vier Burschen mussten in ein anderes Auto einsteigen. Ich erfuhr erst am Tag
meiner Freilassung, dass sie bereits am nächsten Tag wieder frei gelassen
wurden. Im ersten Augenblick versuchte ich zu scherzen und die Ruhe zu bewahren,
aber vielleicht war das schlecht, weil sie das irritierte. Sie warnten mich:
Noch ein Wort und wir schlagen dir den Kopf ab. Sie haben mich gefesselt und in
ein Haus gebracht, wo sie mich vier Tage lang nackt in einer Toilette
einsperrten.
Wie ist Ihre
Gefangenschaft weiter gegangen?
P.Hani Abdel Ahad:
In diesen zwölf Tagen
haben sie mir alles angetan, auf die grausamste Art und Weise. Jeden Tag haben
sie mich aufgefordert, zum Islam zu konvertieren. Sie zwangen mich, den Koran zu
rezitieren, und sie erklärten mir islamische Lehren. Permanent wiederholten sie,
dass wir Christen Ungläubige seien. Ich lernte die Tiefe des Hasses kennen, den
diese Menschen gegen die Christen hegen, und das, was ihre Handlungen motiviert.
Sie erzählten mir, sie
wollten sich über mich an dem Angriff rächen, den das libanesische Heer auf
Milizen der Gruppe Fatah al-Islam ausübte (Mai bis Juli 2007, Anm. d. Red.). Sie
beschuldigten die Christen, die USA zu unterstützen. Als der Papst den
amerikanischen Präsidenten Bush empfing, haben sie mich noch mehr gequält. Sie
haben mich auf den Arm genommen und gesagt: Jetzt sag doch deinem Papa, dass er
kommen und dich befreien soll! Schließlich haben sie
mich in ein anderes Haus gebracht, und dort haben sie mich noch schlechter
behandelt. Sie haben mich mit den Händen an die Zimmerdecke gefesselt und mich
aufgehängt, während sie mit ihrer Indoktrinierung weitermachten. Leider haben
sie den Inhalt des Pen Drives entdeckt, den ich in der Tasche hatte. Sie haben
einen meiner Artikel gelesen, wo ich den Islam und das Christentum verglich, und
sie haben mich beschuldigt, ein Feind ihrer Religion zu sein, was bestraft
werden müsse. In dieser zweiten
Phase haben sie Psychoterror gemacht: Ich habe gesehen, wie sie eine andere
Geisel umgebracht haben, einen irakischen Polizeibeamten. Sie fragen ihn, ob die
Polizei die Schiiten mit Waffen versorge. Er gab keine Antwort. Sie fesselten
ihn wie ein Lamm, warfen ihn in eine Ecke und erschossen ihn.
Dann haben sie mich
gewarnt, ich sei der Nächste: Mein Prozess sei abgeschlossen, sie hätten mich
zum Tode verurteilt, sagten sie. Ich denke aber, dass sie mich nur erschrecken
wollten. Einer von ihnen erklärte mir, er hätte mich nicht erschossen, da mein
christliches Blut das Haus unrein gemacht hätte, in dem wir waren, und er an
diesem Ort nicht mehr beten hätte können. Wenn sie sich an mich wandten, nannten
sie mich immer Dreck. Aber mehr kann ich nicht erzählen, es muss noch Zeit
vergehen...
Welchen Eindruck
hatten Sie von Ihren Entführern und von dem Ziel, das diese antrieb?
P. Hani Abdel Ahad:
Sie waren Profis,
intelligent, gut ausgebildet, organisiert, mit guten Waffen. Ihre Gesichter
konnte ich nicht sehen, aber an ihren Stimmen und Dialekten hörte ich, dass
einige sicherlich aus dem Irak waren. Auch Araber waren in der Gruppe, aber die
Härtesten von ihnen waren wohl Afghanen. Ich weiß nicht, was sie angetrieben
haben könnte. Mein Eindruck war, dass ihr erstes Ziel nicht Geld war.
Sie haben mich wegen
meiner Religion entführt und gefoltert. Vor meiner Freilassung haben sie mich
gewarnt: Ihr und eure Familien müsst den Irak verlassen. Wohin auch immer ihr
geht, wir werden euch finden. Für sie war ich ein Symbol des verhassten
Christentums, und sie wussten, dass sie durch meine Bestrafung viele andere
erschrecken würden.
Was ist nach Ihrer
Freilassung passiert?
P. Hani Abdel
Ahad: Ich habe mich an die
Behörden gewendet und Anzeige über die Bedrohungen und Folterungen erstattet,
die ich erlitten hatte. Aber es ist nichts passiert. Ich bin gezwungen worden,
aus Sicherheitsgründen mit meiner Familie nach Syrien zu emigrieren. Auch für
sie war es zu gefährlich, im Irak zu bleiben. Aber das, was wir hier
erleben, ist kein Leben: Nur unser Glaube gibt uns Hoffnung auf eine bessere
Zukunft. Mein Vater hat bis zum letzten Moment versucht, im Irak zu bleiben. Er
hat in leitender Funktion bei einer französischen Firma gearbeitet, ist
gebildet, spricht drei Sprachen. Hier jedoch ist er nur ein Flüchtling: Er ist
abhängig von Nahrungsmitteln der Caritas, des UNHCR und des Roten Kreuzes.
Werden Sie jemals in
den Irak zurückkehren?
P. Hani Abdel Ahad: Derzeit bin ich Pfarrer in Sednaya, wenige Kilometer von Damaskus. Meine Familie und ich hoffen jedoch, dass wir bald das Visum für die USA oder Neuseeland bekommen. In den Irak wollen wir nicht mehr zurückkehren. Der Traum der irakischen Christen hier in Syrien ist, in den Westen zu gehen. Ich bin nicht einmal ein Jahr im Irak gewesen und habe alles verloren, sogar fast das Leben. Die einzige Sache, die uns bleibt, ist Gott, unser Glaube. Und den können uns auch die schlimmsten Grausamkeiten nicht nehmen.
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