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1.Kapitel
VOR DEM EUCHARISTISCHEN HERRN

Jesus Christus, ich bin hier, um eines deiner Gebote zu erfüllen. Schon viele Male habe ich es gehört und gelesen, aber jetzt möchte ich es mir zu Herzen nehmen. Ich schenke dir diese Zeit des Gebetes und komme damit deiner Aufforderung nach: Bittet den Herrn der Ernte, Arbeiter für seine Ernte auszusenden (Mt 9,38). Du bist der Herr der Ernte, und so komme ich zu dir und bitte dich, worum zu bitten du mir aufgetragen hast.

Wenn du es nicht ausdrücklich so gewollt hättest, wäre mir diese Bitte vielleicht nie in den Sinn gekommen. Ich bitte ja fast immer nur für mich, für meine Angelegenheiten und manchmal für meine Angehörigen. Aber wie selten bitte ich dich um etwas, was nicht direkt mit mir zu tun hat. Ich will immer, daß du gibst, ohne daß ich dir auch zu geben hätte. Und trotzdem, wenn ich es recht bedenke, sind die Arbeiter in deinen Weinberg indirekt auch etwas für mich, denn diese Arbeiter, die du für deine Ernte schickst, verkünden mir dein Wort und deine Liebe.

Erleuchte mich, Herr, denn ich weiß nicht, wie ich beten soll. Lehre mich beten, dich um das zu bitten, was not tut. Sende deinen Heiligen Geist, damit er mir sein Licht gebe und mein Gebet rein mache, demütig, einfach, beharrlich, voller Glaube, Hoffnung und Liebe.

Ich möchte dich sehen, Herr, um mit dir zu sprechen; sehen, wie dich deine Apostel und deine Mutter gesehen haben. Ich möchte deine Worte hören und dein Wirken betrachten. Aber du kommst jetzt verborgen zu mir, unter der Gestalt eines Stückes Brot, damit ich keine Angst habe, mich dir zu nähern. Du verbirgst deine unendliche Macht unter der Gestalt dieser Hostie, die Nahrung für meine Seele wird. Ich glaube, Herr, daß du wirklich in diesem wunderbaren Sakrament zugegen bist, in dem du, der Schöpfer des Universums, mir zur Nahrung wirst für meinen Weg in den Himmel. Ich glaube, Herr, aber vermehre meinen Glauben. Laß ihn wenigstens so groß wie ein Senfkorn sein. Ich glaube, daß du hier bei mir bist, daß du mich hörst, daß du ohne Worte zu mir sprichst und daß du, so gänzlich schutzlos auf dem Altar, ein sprechendes Zeichen der Liebe, der grenzenlosen Hingabe bist.

Ich glaube nicht nur an dich. Ich vertraue auf dich, denn du bist der Freund, der sein Leben für mich hingegeben hat; du bist der Weinstock, der mich Frucht bringen läßt; du hast Worte ewigen Lebens; du bist der gute Hirt, der mich beim Namen ruft.

Ich glaube an dich. Ich vertraue auf dich. Und ich liebe dich. Ich liebe dich; denn du hast mich zuerst geliebt; denn du hast dein Leben hingegeben, um mich von der Sünde zu erlösen; denn du hast mir die Tore deines Reiches geöffnet; denn du vergibst mir, wo ich auch nur den geringsten Wunsch nach Reue verspüre. Ich liebe dich, denn du hast mir ohne mein Zutun das Geschenk des Lebens gemacht. Du gabst mir den Glauben und die Taufe, die christliche Familie, in die ich hineingeboren wurde und in der ich diesen einfachen Glauben empfangen habe, der mein ganzes Leben mit Sinn erfüllt. Ich liebe dich, denn du liebst mich mit der Zärtlichkeit eines Vaters, mit der Treue des besten Freundes, mit der Leidenschaft eines Verliebten. Ich liebe dich, denn mein Leben ist mit deinen Gaben überhäuft, mit unverdienten Gaben, durch die du mich zu dir führen willst.

Ich weiß Herr, daß ich ein Geschöpf bin, das von sich aus keinerlei Recht hat, vor dir zu stehen, meinem Schöpfer, der mich aus dem Nichts geschaffen hat. Aber im Vertrauen auf deine Güte und auf deine große Barmherzigkeit komme ich zu dir, o Herr, wie ein Kranker zu seinem Heiland, ein Hungernder und Dürstender zur Quelle des Lebens, ein Armer zum König des Himmels, ein Knecht zu seinem Herrn, ein Geschöpf zu seinem Schöpfer, ein Verlassener zu seinem Tröster (Nachfolge Christi IV, 2, 1). Wegen meiner Sünden, meiner Unwürdigkeit, meiner Bosheit wäre ich nicht würdig, vor dir zu stehen, wenn du mir nicht zurufen würdest: Hab keine Angst. Ich bin es. Kommt alle zu mir, die ihr euch plagt und schwere Lasten zu tragen habt. Ich werde euch Ruhe verschaffen. Nehmt mein Joch auf euch, und lernt von mir; denn ich bin gütig und von Herzen demütig (vgl. Mt 11,28f.). Und ich folge deiner Einladung und komme, um von dir zu lernen. Ich komme zu dir und bitte dich um Arbeiter für deinen Weinberg.

Maria, Mutter der Priester, stehe mir zur Seite, und auf deine Fürsprache gewähre Gott uns die Gnade, Priester zu senden, und Männer und Frauen, die ihr Leben Gott und seinem Reich weihen.

 

                                                                                                                                                                                                       
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