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Bittet den Herrn der Ernte!
Ein Beitrag von Bischof Heinz Josef Algermissen (Fulda) zum Weltgebetstag der Geistlichen Berufe 2007.

Kirche ist lebendige Gemeinschaft mit Jesus Christus. Ihn als die eigentliche Quelle der Kirche immer wieder neu ins Bewußtsein zu rufen, ist die Aufgabe einer Berufung eigener Art. Sie ist daher für das Leben der Kirche von wesentlicher Bedeutung: Ich meine die Berufung zum priesterlichen Dienst.

 

Was diesen Dienst im Innersten ausmacht, wird besonders sichtbar in der Feier der Eucharistie. In ihr zeigt sich, daß Jesus Christus die tragende Mitte der Gemeinschaft der Kirche ist. All ihre Lebensvollzüge haben hier ihren Ursprung und ihr Ziel. Alles muß mit Jesus Christus verbunden sein, um lebendig und fruchtbar zu sein, denn getrennt von ihm können wir nichts vollbringen (vgl. Joh 15, 5).

 

Der Priester ist durch die Weihe in besonderer Weise beauftragt, der Eucharistie vorzustehen. So verweist er durch seinen Dienst auf Jesus Christus als Herrn der Kirche und eigentlichen Hirten der Gemeinde. Das macht den tiefsten und schönsten Sinn des priesterlichen Dienstes aus.

 

Gerade deshalb ist sein Dienst von so grundlegender Bedeutung für die Identität unserer Kirche, daß keine Gemeinde auf diesen Dienst verzichten kann. Priester können durch nichts und niemanden ersetzt werden ─ nur durch Priester.

 

Damit verbunden ist zugleich ein Anspruch, der den Priester in seiner ganzen Existenz berührt und in seinem Leben eine konkrete Gestalt gewinnen will. Deshalb hängen Priesteramt und priesterliche Lebensform auch so eng miteinander zusammen.

 

Wenn diese die ganze Existenz einfordernde und ausfüllende Lebensform des Priesters auch nach wie vor fasziniert, zögern doch viele junge Menschen. Das paulinische Leitbild, allen alles zu sein (1 Kor 9, 22), das der eine als glückliche Sendung erfährt, droht den anderen zu erdrücken: Wie wird es mir als Priester ergehen? Kann ich das ein Leben lang durchhalten? Werde ich genügend Unterstützung finden?

 

Ich weiß um diese sorgenvollen Fragen, und ich danke gerade daher ausdrücklich allen, die sich bereit gefunden haben, Priester zu sein, und auch denen, die auf dem Weg zum Priesterberuf sind. Sie sind für mich deutliche Hoffnungszeichen.

 

Es ist eine meiner größten Sorgen als Bischof unserer Diözese, daß die Zahl der Bewerber für das Priesteramt in den letzten Jahren zurückgegangen ist. Das kann uns wegen der grundlegenden Bedeutung für Gemeinde, Diözese und Gesamtkirche nicht gleichgültig sein!

 

Wir müssen uns fragen: Woran liegt es, daß sich nur so wenige junge Männer in diesen Dienst rufen lassen? Ich glaube nicht, daß es mit einfachen Antworten getan ist. Es gibt verschiedene Erklärungen, die in Kirche und Gesellschaft, im privaten und öffentlichen Leben liegen.

 

Sicher sind die Bedingungen, dem Ruf in diesen Dienst zu folgen, schwieriger geworden. Dies kann aber meiner Einschätzung nach die gegenwärtige Situation allein nicht erklären. Ich möchte deshalb die Fragerichtung umkehren und uns alle in die Suche nach einer Antwort mit einbeziehen.

 

Berufungen sind immer auch ein Spiegelbild des kirchlichen Lebens und der Zuversicht, die wir als Christen ausstrahlen. Deshalb müssen auch wir uns fragen: Leben wir so, daß andere neugierig darauf werden, was der Grund unserer Hoffnung (1 Petr 3, 15) ist?

 

Sprechen wir junge Menschen ermunternd auf ihre Zukunft an, auf das, was sie mit ihrem Leben vorhaben, auf ihre Möglichkeiten und Pläne? Geben wir ihnen zu erkennen, daß wir sie uns im Priesterberuf sehr gut vorstellen können? Tragen wir zu einem Klima in unseren Gemeinden bei, in dem Berufungen wachsen können?

 

Ich bin mir sicher, daß Gott auch heute Menschen ruft. Die Frage ist, ob wir diesen Berufungen auch einen Raum geben, in dem sie sich entwickeln und zur Entscheidung heranreifen können.

 

Berufungen können nicht erzwungen werden. Sie sind von Gott gegeben und es ist immer Jesus Christus selbst, der jeden in seine Nachfolge ruft. Wir können aber ein Klima schaffen, in dem Berufungen erkannt werden und heranreifen können. In diesem Zusammenhang möchte ich Sie nochmals an meinen Fastenhirtenbrief 2003 erinnern.

 

Damals hatte ich die Priester und Gemeinden unserer Diözese zu einem Bündnis für Berufungen aufgerufen. Ich möchte diesen Aufruf wiederholen und auch noch einmal die Bitte aussprechen, um geistliche Berufe, besonders um Priesterberufungen zu beten, gemäß den Worten Jesu: Die Ernte ist groß, aber es gibt nur wenig Arbeiter. Bittet also den Herrn der Ernte, Arbeiter für seine Ernte auszusenden. (Mt 9, 37 f).

 

Die Priester unserer Diözese bitte ich dringend, ihrer eigenen Berufung nachzuspüren und darauf zu achten, wie sie die Berufung der anderen fördern und unterstützen können.

                                                                                                                                                                                                       
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