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Erzählung eines Pilgers
Die Berufungsgeschichte von Bertalan Egervári nLC
Bertalan Egervari wurde als erstes von fünf Geschwistern am 7. Januar 1978 in Tata/Ungarn geboren. Sein deutschstämmiger Vater ist Arzt, seine Mutter Hausfrau. Als Bertalan 3½ Jahre war, übersiedelte seine Familie nach Deutschland. Seither lebt sie in Franken, zuletzt in Rothenburg ob der Tauber. Seiner Leidenschaft für die Lektüre verdankt Bertalan wichtige Impulse auf der Suche nach seiner Berufung.

In Ungarn geboren und schon als dreijähriger nach Deutschland gekommen, durfte ich in einer großen und intakten Familie aufwachsen. Als ältestes von fünf Geschwistern war es mir zu Hause nie langweilig, und ich war an viel Trubel gewöhnt. Meine Zeit verbrachte ich von Kind an am liebsten mit Fußball, Computer- Spielen, Fernsehen oder Lesen, besonders gern Fantasy-Romane

Was den Glauben betraf, so würde ich mich damals als Gewohnheitskatholiken bezeichnen, das heißt, ich ging sonntags in die Kirche, ich war Ministrant, aber das war es auch schon.

Als ich etwa 18 oder 19 Jahre alt war, fanden meine Eltern, ich solle mich doch etwas mehr mit dem Glauben beschäftigen, und gaben mir regelmäßig Bücher, die ich irgendwann tatsächlich zur Hand genommen und gelesen habe. Besonders beeindruckt haben mich die Aufrichtigen Erzählungen eines russischen Pilgers, die von einem sehr einfachen Pilger handeln, dessen einziges Lebensziel es ist, das Herzensgebet zu erlernen. Ich spürte, dass mir diese Bücher gut taten, machte mir aber keine weiteren Gedanken.

Nach dem Abitur und zehn Monaten bei der Bundeswehr, im Kampf gegen Schreibund Kaffeemaschinen, begann ich mein BWL-Studium und führte ein ganz normales Studentenleben: Ich lernte, ging viel aus und hatte lange Semesterferien. Mein Plan für die Zukunft war es, eine gute Familie zu haben, mit wenig Arbeit viel Geld zu verdienen, irgendwann einen Ferrari zu fahren und ein ruhiges Leben zu führen, aber all das war noch sehr weit weg.

Mit 23 Jahren lernte ich zum ersten Mal jemanden in meinem Alter kennen, der sich wirklich für den Glauben interessierte und ihn auch lebte: eine Angehörige einer Freikirche. Das führte zu einigen guten Gesprächen, in denen es vor allem um die Unterschiede im jeweiligen Glauben ging, und ich beschäftigte mich zum ersten Mal ernsthaft mit der Frage, wieso ich denn an die Sakramente glaube, wieso Maria für uns Katholiken eine Rolle spielt und wieso ich den Papst gut finde.

Zur gleichen Zeit las ich das Buch des Pilgers zum dritten Mal durch und überlegte mir, warum ich denn nicht etwas von ihm lernen sollte. An einer Stelle im Buch heißt es sinngemäß: Wenn die Menschen nur einmal die Hälfte des Tages im Gebet verbringen würden, dann würden sie seinen großen Wert verstehen. Das habe ich kurzerhand einmal versucht und am Abend überlegt, ob an diesem Tag denn tatsächlich etwas besonders war. Das Ergebnis war nicht direkt greifbar, aber ich hatte doch das Gefühl: Etwas war anders.

Jedenfalls fasste ich eine Woche später den Entschluss, jeden Tag einen Rosenkranz zu beten, komme was da wolle. So kam es in den nächsten Monaten nicht selten vor, dass ich nach irgendeinem Treffen mit Freunden, Party oder Disco nachts um drei oder vier Uhr nach Hause kam und mich auf mein Bett gekniet und gebetet habe, egal wie müde ich war.

Nun gewann der Glaube in meinem Leben immer mehr an Bedeutung. Ich las viele Bücher, ging nach mindestens zehn Jahren endlich wieder zur Beichte und begann, auch an Wochentagen die hl. Messe zu besuchen. In diesem intensiveren geistlichen Klima reifte nach und nach, bestimmt durch Zutun des Heiligen Geistes, die Frage, ob denn eine eigene Familie, Frau und Kinder unbedingt zu meinem Lebensglück nötig seien und ob ich denn nicht auch Priester werden könnte. Eine Frage, über die ich kurze Zeit vorher nur gelacht hätte, die ich aber jetzt sehr ernst nahm. Aber ich wollte auch sicher sein, dass dieser neue Weg für mich der richtige war und nicht nur aus einer vorübergehenden Laune resultierte. Deshalb beschloss ich, mein Studium in aller Ruhe zu beenden, denn so hätte ich eine Absicherung und zwei Jahre Bedenkzeit gewonnen. Aber mit jedem Tag stand mein neues Ziel klarer vor Augen. Ich hatte einfach das sichere Gefühl, dass ich nur als Ordenspriester glücklich werden könnte. Das Studium und die Parties interessierten mich immer weniger. Stattdessen verbrachte ich viel Zeit mit Gebet und geistlicher Lektüre. Als ich mich endgültig entschieden hatte und mich auf die Suche nach der richtigen Kongregation machte, ließ mich der Hl. Geist durch Zufall die Legionäre Christi kennen lernen, und alles Weitere ging wie von selbst.

Bertalan Egervári nLC

                                                                                                                                                                                                       
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