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6.Kapitel
TEXTE ZUM THEMA BERUFUNG

Zieh weg aus deinem Land
in das Land, das ich dir zeigen werde
(Gen 12,1-8)

 

Der Herr sprach zu Abram: Zieh weg aus deinem Land, von deiner Verwandtschaft und aus deinem Vaterhaus in das Land, das ich dir zeigen werde. Ich werde dich zu einem großen Volk machen, dich segnen und deinen Namen groß machen. Ein Segen sollst du sein. Ich will segnen, die dich segnen; wer dich verwünscht, den will ich verfluchen. Durch dich sollen alle Geschlechter der Erde Segen erlangen. Da zog Abram weg, wie der Herr ihm gesagt hatte, und mit ihm ging auch Lot. Abram war fünfundsiebzig Jahre alt, als er aus Haran fortzog. Abram nahm seine Frau Sarai mit, seinen Neffen Lot und alle ihre Habe, die sie erworben hatten, und die Knechte und Mägde, die sie in Haran gewonnen hatten. Sie wanderten nach Kanaan aus und kamen dort an. Abram zog durch das Land bis zur Stätte von Sichem, bis zur Orakeleiche. Die Kanaaniter waren damals im Land. Der Herr erschien Abram und sprach: Deinen Nachkommen gebe ich dieses Land. Dort baute er dem Herrn, der ihm erschienen war, einen Altar. Von da brach er auf zum Bergland östlich von Bet-El und schlug sein Zelt so auf, daß er Bet-El im Westen und Ai im Osten hatte. Dort baute er dem Herrn einen Altar und rief den Namen des Herrn an.

Wen soll ich senden? Wer wird für uns gehen?
(Jes 6,1-8)

 

Im Todesjahr des Königs Usija sah ich den Herrn. Er saß auf einem hohen und erhabenen Thron. Der Saum seines Gewandes füllte den Tempel aus. Serafim standen über ihm. Jeder hatte sechs Flügel: Mit zwei Flügeln bedeckten sie ihr Gesicht, mit zwei bedeckten sie ihre Füße, und mit zwei flogen sie. Sie riefen einander zu: Heilig, heilig, heilig ist der Herr der Heere. Von seiner Herrlichkeit ist die ganze Erde erfüllt. Die Türschwellen bebten bei ihrem lauten Ruf, und der Tempel füllte sich mit Rauch. Da sagte ich: Weh mir, ich bin verloren. Denn ich bin ein Mann mit unreinen Lippen und lebe mitten in einem Volk mit unreinen Lippen, und meine Augen haben den König, den Herrn der Heere, gesehen. Da flog einer der Serafim zu mir; er trug in seiner Hand eine glühende Kohle, die er mit einer Zange vom Altar genommen hatte. Er berührte damit meinen Mund und sagte: Das hier hat deine Lippen berührt: Deine Schuld ist getilgt, deine Sünde gesühnt. Danach hörte ich die Stimme des Herrn, der sagte: Wen soll ich senden? Wer wird für uns gehen? Ich antwortete: Hier bin ich, sende mich!

Noch ehe ich dich im Mutterleib formte,
habe ich dich ausersehen
(Jer 1,4-9)

 

Das Wort des Herrn erging an mich: Noch ehe ich dich im Mutterleib formte, habe ich dich ausersehen, noch ehe du aus dem Mutterschoß hervorkamst, habe ich dich geheiligt, zum Propheten für die Völker habe ich dich bestimmt. Da sagte ich: Ach, mein Gott und Herr, ich kann doch nicht reden, ich bin ja noch so jung. Aber der Herr erwiderte mir: Sag nicht: Ich bin noch so jung. Wohin ich dich auch sende, dahin sollst du gehen, und was ich dir auftrage, das sollst du verkünden. Fürchte dich nicht vor ihnen; denn ich bin mit dir um dich zu retten Spruch des Herrn. Dann streckte der Herr seine Hand aus, berührte meinen Mund und sagte zu mir: Hiermit lege ich meine Worte in deinen Mund.

Ich bin die Magd des Herrn;
mir geschehe, wie du es gesagt hast.
(Lk 1,26-38)

 

Im sechsten Monat wurde der Engel Gabriel von Gott in eine Stadt in Galiläa namens Nazaret zu einer Jungfrau gesandt. Sie war mit einem Mann namens Josef verlobt, der aus dem Haus David stammte. Der Name der Jungfrau war Maria. Der Engel trat bei ihr ein und sagte: Sei gegrüßt, du Begnadete, der Herr ist mit dir. Sie erschrak über die Anrede und überlegte, was dieser Gruß zu bedeuten habe. Da sagte der Engel zu ihr: Fürchte dich nicht, Maria; denn du hast bei Gott Gnade gefunden. Du wirst ein Kind empfangen, einen Sohn wirst du gebären: dem sollst du den Namen Jesus geben. Er wird groß sein und Sohn des Höchsten genannt werden. Gott, der Herr, wird ihm den Thron seines Vaters David geben. Er wird über das Haus Jakob in Ewigkeit herrschen, und seine Herrschaft wird kein Ende haben. Maria sagte zu dem Engel: Wie soll das geschehen, da ich keinen Mann erkenne? Der Engel antwortete ihr: Der Heilige Geist wird über dich kommen, und die Kraft des Höchsten wird dich überschatten. Deshalb wird auch das Kind heilig und Sohn Gottes genannt werden. Auch Elisabet, deine Verwandte, hat noch in ihrem Alter einen Sohn empfangen; obwohl sie als unfruchtbar galt, ist sie jetzt schon im sechsten Monat. Denn für Gott ist nichts unmöglich. Da sagte Maria: Ich bin die Magd des Herrn; mir geschehe, wie du es gesagt hast. Danach verließ sie der Engel.

Kommt her, folgt mir nach!
Ich werde euch zu Menschenfischern machen.
(Mt 4,18-23)

 

Als Jesus am See von Galiläa entlangging, sah er zwei Brüder, Simon, genannt Petrus, und seinen Bruder Andreas; sie warfen gerade ihr Netz in den See, denn sie waren Fischer. Da sagte er zu ihnen: Kommt her, folgt mir nach! Ich werde euch zu Menschenfischern machen. Sofort ließen sie ihre Netze liegen und folgten ihm. Als er weiterging, sah er zwei andere Brüder, Jakobus, den Sohn des Zebedäus, und seinen Bruder Johannes; sie waren mit ihrem Vater Zebedäus im Boot und richteten ihre Netze her. Er rief sie, und sogleich verließen sie das Boot und ihren Vater und folgten Jesus.

Meister, wo wohnst du? Kommt und seht!
(Joh 1,35-43)

 

Am Tag darauf stand Johannes wieder dort, und zwei seiner Jünger standen bei ihm. Als Jesus vorüberging, richtete Johannes seinen Blick auf ihn und sagte: Seht, das Lamm Gottes! Die beiden Jünger hörten, was er sagte, und folgten Jesus. Jesus aber wandte sich um, und als er sah, daß sie ihm folgten, fragte er sie: Was wollt ihr? Sie sagten zu ihm: Rabbi das heißt übersetzt: Meister , wo wohnst du? Er antwortete: Kommt und seht! Da gingen sie mit und sahen, wo er wohnte, und blieben jenen Tag bei ihm; es war um die zehnte Stunde. Andreas, der Bruder des Simon Petrus, war einer der beiden, die das Wort des Johannes gehört hatten und Jesus gefolgt waren. Dieser traf zuerst seinen Bruder Simon und sagte zu ihm: Wir haben den Messias gefunden. Messias heißt übersetzt: der Gesalbte (Christus). Er führte ihn zu Jesus. Jesus blickte ihn an und sagte: Du bist Simon, der Sohn des Johannes, du sollst Kephas heißen. Kephas bedeutet: Fels (Petrus). Am Tag darauf wollte Jesus nach Galiläa aufbrechen; da traf er Philippus. Und Jesus sagte zu ihm: Folge mir nach!

Herr, was soll ich tun?
(Apg 22,3-10)

 

Ich bin ein Jude, geboren in Tarsus in Zilizien, hier in dieser Stadt erzogen, zu Füßen Gamaliëls genau nach dem Gesetz der Väter ausgebildet, ein Eiferer für Gott, wie ihr alle es heute seid. Ich habe den (neuen) Weg bis auf den Tod verfolgt, habe Männer und Frauen gefesselt und in die Gefängnisse eingeliefert. Das bezeugen mir der Hohepriester und der ganze Rat der Ältesten. Von ihnen erhielt ich auch Briefe an die Brüder und zog nach Damaskus, um dort ebenfalls die Anhänger (der neuen Lehre) zu fesseln und zur Bestrafung nach Jerusalem zu bringen. Als ich nun unterwegs war und mich Damaskus näherte, da geschah es, daß mich um die Mittagszeit plötzlich vom Himmel her ein helles Licht umstrahlte. Ich stürzte zu Boden und hörte eine Stimme zu mir sagen: Saul, Saul, warum verfolgst du mich? Ich antwortete: Wer bist du, Herr? Er sagte zu mir: Ich bin Jesus, der Nazoräer, den du verfolgst. Meine Begleiter sahen zwar das Licht, die Stimme dessen aber, der zu mir sprach, hörten sie nicht. Ich sagte: Herr, was soll ich tun? Der Herr antwortete: Steh auf, und geh nach Damaskus, dort wird dir alles gesagt werden, was du nach Gottes Willen tun sollst.

Christus will eurer bedürfen[1]

 

Ich spreche insbesondere zu euch, liebe Jugendliche. Ja, ich möchte mit euch sprechen, mit jedem von euch. Ihr seid mir sehr teuer, und ich setze großes Vertrauen auf euch. Ich habe euch als Hoffnung der Kirche und als meine Hoffnung bezeichnet.

Rufen wir gemeinsam einige Dinge in Erinnerung. In den reichen Schätzen des Evangeliums sind die schönen Antworten aufbewahrt, die der Herr auf seinen Ruf erhielt ... Seit den Tagen der ersten Verkündigung des Evangeliums bis in unsere Zeit haben sehr viele Männer und Frauen auf den Ruf Christi eine persönliche, freie und überzeugte Antwort gegeben. Sie haben das Priestertum, das Ordensleben, das missionarische Leben zum Zweck und Ideal ihrer Existenz erwählt. Sie haben dem Volk Gottes und der Menschheit mit Glauben und Intelligenz, mit Mut und Liebe gedient. Jetzt ist eure Stunde gekommen; jetzt ist es an euch, eine Antwort zu geben. Oder habt ihr vielleicht Angst?

Dann wollen wir also gemeinsam überlegen, im Licht des Glaubens. Unser Leben ist eine Gabe Gottes. Wir müssen etwas Gutes daraus machen. Man kann sein Leben auf vielerlei Weise gut verwenden, man kann es im Dienst menschlicher und christlicher Ideale einsetzen. Wenn ich heute von der ausschließlichen Weihe an Gott im Priestertum, im Ordensleben, im missionarischen Leben zu euch spreche, so deshalb, weil Christus viele von euch zu dieser außergewöhnlichen Erfahrung beruft. Er braucht euch, er will eurer bedürfen, eurer Person, eurer Intelligenz, eurer Energien, eures Glaubens, eurer Liebe, eurer Heiligkeit. Wenn er euch zum Priestertum beruft, dann deshalb, weil er sein Priestertum durch eure priesterliche Weihe, durch eure priesterliche Mission ausüben will. Er will mit eurer Stimme zu den Menschen von heute sprechen, will durch euch Brot und Wein in seinen Leib und sein Blut verwandeln, will durch euch die Sünden vergeben; er will mit eurem Herzen lieben, mit euren Händen helfen, mit euren Mühen retten. Denkt gut darüber nach. Die Antwort, die viele von euch geben können, richtet sich an Christus persönlich, der euch zu so Großem beruft.

Ihr werdet Schwierigkeiten begegnen. Meint ihr, ich kenne sie etwa nicht? Ich kann euch sagen: Die Liebe besiegt jede Schwierigkeit! Die Antwort auf jede Berufung ist ein Werk der Liebe. Die Antwort auf jede Berufung zum Priestertum, zum Ordensleben, zum missionarischen Leben kann nur einer tiefen Liebe zu Christus entspringen. Diese Kraft der Liebe bietet er euch selbst an, als zusätzliche Gabe zu seinem Ruf, die eure Antwort möglich macht. Habt Vertrauen zu dem, der durch die Macht, die in uns wirkt, viel mehr tun kann, als wir erbitten und uns ausdenken (Eph 3,20). Und wenn ihr könnt, gebt mit Freude und ohne Furcht euer Leben für den hin, der als erster sein Leben für euch hingegeben hat.

Wenn der Ruf dein Herz erreicht,
bringe ihn nicht zum Schweigen
!

 

Deshalb möchte ich euch jungen Menschen sagen, die ihr alle in diesen wichtigen Abschnitt der Entfaltung eurer Persönlichkeit als Mann oder Frau seid: Wenn ein solcher Ruf dein Herz erreicht, bringe ihn nicht zum Schweigen! Laß ihn sich entfalten bis zur Reife einer Berufung! Wirke mit durch Gebet und Treue zu den Geboten! Die Ernte ist groß. Und sehr viele sind nötig, die der Ruf Christi: Folge mir nach! erreichen müßte. Es bedarf sehr vieler Priester nach dem Herzen Gottes; die Kirche und die Welt von heute brauchen unbedingt das Zeugnis eines Lebens, das sich ohne Vorbehalt Gott schenkt, das Zeugnis einer solchen bräutlichen Liebe wie bei Christus selber, die in besonderer Weise das Reich Gottes unter den Menschen gegenwärtig werden läßt und es der Welt näher bringt.

Erlaubt mir also, die Worte Christi über die Ernte, die groß ist, weiterzuführen. Ja, groß ist die Ernte des Evangeliums, diese Ernte des Heils! ... Aber es gibt nur wenig Arbeiter ... Bittet also den Herrn der Ernte, Arbeiter für seine Ernte auszusenden, so fährt Christus fort. Diese Worte werden vor allem in unserer Zeit zu einem Programm des Gebetes und des Einsatzes für Priester und Ordensberufe. Mit diesem Programm wendet sich die Kirche an euch, an die Jugendlichen. Auch ihr: Bittet darum! Und wenn dieses Gebet der Kirche in der Tiefe eures Herzens Frucht ansetzt, dann hört den Meister, wie er auch euch sagt: Folge mir nach.

Was ist der Wille Gottes für mich?

 

Der Mensch ist ein Geschöpf und zugleich Adoptivkind Gottes in Christus: Er ist Kind Gottes. Die Frage: Was soll ich tun? stellt der Mensch während seiner Jugendzeit also nicht nur sich selber und den anderen Menschen, von denen er eine Antwort erwarten kann, vor allem den Eltern und Erziehern, sondern er stellt sie auch Gott, seinem Schöpfer und Vater. Er stellt sie im Bereich jenes inneren Raumes, in dem er gelernt hat, mit Gott in enger Beziehung zu stehen, vor allem im Gebet. Er fragt also Gott: Was soll ich tun? Was ist dein Plan für mein Leben, dein schöpferischer und väterlicher Plan? Was ist dein Wille? Ich möchte ihn erfassen.

Der Priester, ein zweiter Christus[2]

 

Die Priester bilden die Hände, die Füße, die Augen, den Geist, das Herz Christi, den Kanal, das Mittel, wodurch sich Christus der Menschheit mitteilen will. Durch die Priester will er die Menschen spüren lassen, wie sehr er sie liebt und von ihnen geliebt sein will; durch sie will er seine Barmherzigkeit zeigen; durch sie will er den Frieden verbreiten, den die Engel am Tag seiner Geburt allen Menschen guten Willens verkündeten; durch sie will er alle Völker, alle Rassen und sozialen Schichten zusammenführen, Neid und Haß tilgen und alle zu einem Herz und einem Geist in seinem göttlichen Herzen zusammenführen.

Christus geht am Ufer deines Lebens vorüber

 

An diesem Tag geht Christus am Ufer eures jungen Lebens vorüber. Hört aufmerksam auf seinen Ruf, und folgt ihm mit Entschlossenheit, wie es eines Tages auch jene Jünger getan haben, zu denen der Meister gesagt hatte: Kommt her, folgt mir nach! Ich werde euch zu Menschenfischern machen (Mt 4,19; Mk 1,17). Christus braucht jeden von euch, so wie er damals Petrus, Jakobus und Johannes brauchte. Ihr seid die Hände, die Füße, die Augen, der Geist, das Herz Christi. Ihr seid der Kanal und das Instrument, durch das er sich der Menschheit mitteilen möchte. Was für eine Ehre erweist uns Christus! Was für eine angenehme und doch schwere Last legt er auf eure jungen Schultern! Die unwägbare Last der Erlösung, die das persönliche und ewige Heil eines jeden Menschen beinhaltet.

Welche Antwort wirst du ihm geben?

 

Gott ruft dich und will dir eine Sendung anvertrauen. Vielleicht haben wir uns daran gewöhnt, das zu hören, und wiederholen es, ohne die Liebe, die dahintersteht, und die Folgen für die Ewigkeit recht zu bedenken: Wer ist Gott? Wer bin ich? Und zwischen uns ist seine Stimme, die uns anspricht. Nicht souverän befehlend wie bei der Schöpfung: Es werde ..., sondern ganz leise zuredend, einladend und liebevoll: Wenn du willst .... Aber seien wir nicht naiv. Diese leise und respektvolle Stimme bringt den Willen Gottes zum Ausdruck. Es ist, als ob der Ruf Gottes von deinem Willen abhinge. Gott hat seinen Willen kundgetan. Wie wirst du antworten? Es ist erschütternd, daß man das Problem bis auf diesen Kern reduzieren muß, aber nur so sehen wir es in aller Schärfe. Es gibt Umstände im Leben, wo wir, geblendet von Leidenschaft, Egoismus oder Sinnlichkeit, mehr Anhaltspunkte haben wollen; nicht sehen, wie klar und einfach es ist, und ein Schlupfloch suchen, wo wir die Freiheit bewahren können, ohne Entscheidungen zu treffen. Aber die Stimme Gottes ist wie ein durchdringendes Schwert, es holt uns heraus ans Licht, so wie wir sind: Wenn du willst ....

Jesus beruft, wen er will

 

Deine Berufung hat nichts mit deinen Fehlern, Unvollkommenheiten oder Sünden zu tun. Christus beruft nicht die Heiligen, Reinen und Vollkommenen. Das Evangelium sagt, daß er beruft, wen er will, und unter den Berufenen finden wir Bessere und Schlechtere; alle haben Fehler und Gebrechen. Die Berufung ist ein unverdientes Geschenk und kein Lohn für Verdienste. Deswegen sollst du den Ruf Gottes nicht  aufgrund deiner Fehler und deiner Unvollkommenheit anzweifeln. Denke daran, daß Gott dich sehr liebt, nicht wegen deiner Begabungen, sondern aus unverdienter Güte.

Machtvolles Geheimnis in zitternden Händen

 

Ich liebe dich, Herr,

für das große Geschenk des Priestertums.

Für dieses Mysterium der Vollmacht,

das du in meine zitternden Hände gelegt hast.

Die Gabe deiner Vergebung,

die den Ozean deiner Gnade öffnet

für den Ozean unseres Elends.

Ich erzittere vor der Größe dieses Mysteriums,

denn ich trage deinen Schatz in einem tönernen Gefäß.

Ich liebe dich, Herr,

weil du mich aus allen erwählt hast,

um Band und Sichel

in dieser goldenen Ernte zu sein.

Weil du mich mit einer dreifachen Liebe erwählt hast,

wie Petrus,

um deine menschliche Herde

auf deinen Höhenwegen zu führen.

Ich weiß, Herr,

daß du mich als ein Verbindungssteg

zwischen dir und den Menschen gelegt hast,

daß ich Zeichen des Widerspruchs sein werde,

und daß sie mich vielleicht kreuzigen

wie deinen Sohn, meinen Herrn Jesus Christus.

Ich bin dein Bote, ein Mensch,

der aus Licht gemacht

aus dem Licht gekommen

und in diese Welt gesandt ist,

wo eine Nacht ohne Ende herrscht.

Ich soll deinen Geboten Geltung verschaffen,

und obwohl der Haß sich gegen mich entzündet,

was bedeutet mir das, Herr,

wenn ich über allem Dich habe

und Du allein mir genügst?


[1] Dieser und die beiden folgenden Texte sind entnommen aus der Papstbotschaft zum 2. Weltgebetstag für geistliche Berufe am 6. Mai 1979, in: Osservatore Romano 9 (1979), Nr. 17, S. 12 sowie dem Apostolisches Schreiben an die Jugendlichen in der Welt zum Internationalen Jahr der Jugend 1985 (=Verlautbarungen des Apostolischen Stuhles Nr. 63), Nr. 8 und 9.

[2] Dieser und die folgenden Texte sind von P. Marcial Maciel LC.

                                                                                                                                                                                                       
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