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Folge mir nach! (Joh 21,19) Diese drei Worte aus dem Johannesevangelium waren es, die fast acht Jahre des Abwägens und Prüfens beendet und mich im Entschluss gefestigt haben, endlich nun aufzubrechen und bei Christus zu sein (Phil 1,23). Schon vor dem Realschulabschluss im Jahre 1991 vernahm ich in mir die Stimme des Herrn, der mich in seine Nachfolge rufen wollte. Auch wenn ich aus einem Elternhaus stamme, das man nicht unbedingt als praktizierend katholisch bezeichnen kann, fand ich während der Erstkommunionkatechese den ersten tiefen Zugang zum christlichen Glauben. Ich wusste mich aufgenommen in eine persönliche Freundschaft mit Jesus, der mir im Brot des Lebens ganz nahe gekommen ist. Aus einer kleinen Katechese zum Thema Gemeinschaft ist mir die Gegenüberstellung von »Ich-Mensch« und »Du-Mensch« in Erinnerung geblieben. Das nur auf sich selbst bezogene »Ich« stand ganz alleine, außerhalb einer Gruppe von Menschen, der »Du-Mensch« dagegen in lebendiger Beziehung zu seinen Mitmenschen. Mir wurde damals einfach klar: ich möchte ein »Du-Mensch« und ein Freund von Jesus sein. Den Raum hierfür fand ich in der Kirche, in meinem Heimatbistum Limburg, in meiner Heimatgemeinde Niederzeuzheim. Als Ministrant und Organist, im Kirchenchor oder in anderen Ortsvereinen konnte ich mich engagieren, wobei die eigentliche Antriebskraft für all mein Tun die Freundschaft mit Christus blieb. Im Laufe der Zeit aber wurde mir immer deutlicher bewusst, dass ich meinen Weg der Nachfolge Jesu nicht nur im Bereich meiner Freizeitbeschäftigungen gehen kann, sondern dass ein magis möglich ist, dass ich mit meinem ganzen Leben gefordert bin: Als Priester möchte ich Gott mit meinem Leben in der Welt bezeugen, und allezeit dienen und lieben. Die Beendigung meiner Lehre zum Bankkaufmann im Frühjahr 1994 schien mir der geeignete Zeitpunkt für einen Schritt in die konkrete Nachfolge zu sein. Aber schon die erste zaghafte Ankündigung dieses Entschlusses bei meinen Eltern löste eine solch heftige Gegenwehr aus, dass ich mein Vorhaben recht schnell und widerstandslos aufgab. Für den Herrn jedoch war die Sache nicht so schnell vorbei, denn er holte mich immer wieder an den Punkt der Entscheidung zurück: Liebst du mich mehr als diese? (Joh 21,15) so wusste ich mich oft von ihm angefragt. Nach einem ständigen Auf und Ab in der Berufungsfrage, begann im Herbst 1997 eine letzte und intensive Phase der Entscheidungsfindung. Ich nahm Kontakt mit dem Regens des Limburger Priesterseminars auf, besuchte Einkehrtage für Betroffene, für Interessenten am Priesterberuf. Mein Heimatbischof Franz Kamphaus ermutigte mich, zunächst das Abitur nachzuholen und dann den ordentlichen Studienweg zu gehen. Um die Hochschulreife auf dem zweiten Bildungsweg zu erwerben, konnte ich das Spätberufenenseminar Sankt Pirmin in Sasbach/Baden ausfindig machen. Doch die Kraft für den ersten Schritt in die Entschiedenheit fehlte mir noch. Auf dem Nachhauseweg von einem Ausflug nach Freiburg mit meinen Arbeitskollegen im April 1998 wurden mir dann aber in einem Moment alle Ängste und Zweifel genommen. Während einer kleinen Pause auf der Raststätte Baden-Baden besuchte ich die dortige Autobahnkirche, in der gerade Gottesdienst gefeiert wurde. Ich betrat zum Evangelium die Kirche und hörte die Worte aus dem Johannesevangelium: Als sie gegessen hatten, sagte Jesus zu Simon Petrus: Simon, Sohn des Johannes, liebst du mich mehr als diese? Er antwortete ihm: Ja, Herr, du weißt, dass ich dich liebe. Jesus sagte zu ihm: Weide meine Lämmer! Zum zweiten Mal fragte er ihn: Simon, Sohn des Johannes, liebst du mich? Er antwortete ihm: Ja, Herr, du weißt, dass ich dich liebe. Jesus sagte zu ihm: Weide meine Schafe! Zum dritten Mal fragte er ihn: Simon, Sohn des Johannes, liebst du mich? Da wurde Petrus traurig, weil Jesus ihn zum dritten Mal gefragt hatte: Hast du mich lieb? Er gab ihm zu Antwort: Herr, du weißt alles; du weißt, dass ich dich lieb habe. Jesus sagte zu ihm: Weide meine Schafe! Amen, amen, das sage ich dir: Als du noch jung warst, hast du dich selbst gegürtet und konntest gehen, wohin du wolltest. Wenn du aber alt geworden bist, wirst du deine Hände ausstrecken, und ein anderer wird dich gürten und dich führen, wohin du nicht willst. Das sagte Jesus, um anzudeuten, durch welchen Tod er Gott verherrlichen würde. Nach diesen Worten sagte er zu ihm: Folge mir nach! (Joh 21,15-19) Noch nie hatte ich das Wort Gottes so lebendig und kraftvoll erfahren, wie in jenem Moment. Meinen Eltern machte ich in den kommenden Tagen klar, dass ich jetzt nicht mehr anders handeln kann, als Jesus nachzufolgen: Die Liebe Christi drängt uns. (2 Kor 5,14) Im September 1998 begann ich in Sasbach im Seminar St. Pirmin meine gymnasiale Schullaufbahn, mit dem Abitur und dem Latinum, Graecum und Hebraicum in der Tasche ging es im Herbst 2002 dann als Priesterkandidat für das Bistum Limburg an die philosophisch-theologische Hochschule Sankt Georgen in Frankfurt. Bischof Kamphaus war es, der mich nach dem Vordiplom im Sommer 2004 zum Hauptstudium nach Rom ins Päpstliche Collegium Germanicum et Hungaricum sandte. In den zurückliegenden Jahren habe nicht nur ich selber Klärung und Stärkung für meine Berufung zum priesterlichen Dienst erfahren dürfen, sondern auch meine Familie konnte erkennen, dass dies der richtige Lebensweg für mich ist. Eines hat mich in all den Jahren besonders geprägt und bestimmt bis heute mein Leben, besonders im Hinblick auf mein künftiges Priestersein. Diese Prägung habe ich in und durch meine Heimatgemeinde Niederzeuzheim erfahren. Denn neben der altehrwürdigen Pfarrkirche, in der ich geistlich aufgewachsen bin und viele Jahre als Organist tätig war, besitzt dieser Ort am Fuße des Westerwaldes eine kleine Kreuzkapelle, die Anfang des 18. Jahrhunderts gebaut und den Franziskanern zur geistlichen Pflege anvertraut wurde. Herzstück dieser kleinen Kapelle ist eine Kreuzreliquie, welche Prinz Hermann Otto von Nassau-Hadamar (1627-1660), Dompropst zu Trier, bei einer Romreise im Jahre 1656 vom Papst als Geschenk erhalten hatte. Über Fürst Franz Alexander kam sie beim Bau der Kreuzkapelle an die Pfarrei Niederzeuzheim. In einer ovalen Goldfassung unter Glas befinden sich zwei gekreuzte Holzsplitter, und die Inschrift besagt: DE. S.CRUCE.D.N.J.C Vom Kreuz unseres Herrn Jesus Christus. In den vielen Gottesdiensten, die ich dort unter dem Kreuz des Herrn mitfeiern und mitgestalten durfte, konnte meine Berufung reifen. Im Angesicht des Gekreuzigten habe ich erfahren können, was der Selige Papst Johannes XXIII. in seinem Tagebuch folgendermaßen ausgedrückt hat: Das Kruzifix ist mein großes Buch, aus dem ich die göttlichen Lehren höchster Weisheit mit Sorgfalt und Liebe schöpfen werde. Der Blick auf den gekreuzigten Herrn zeigte und zeigt mir immer wieder, dass es am Kreuz um die Unbedingtheit der Liebe geht. Das Wort aus dem Johannesevangelium ist somit auch über meinem Leben ausgerufen: Denn Gott hat die Welt so sehr geliebt, dass er seinen einzigen Sohn hingab, damit jeder, der an ihn glaubt, nicht zugrunde geht, sondern das ewige Leben hat. (Joh 3, 16) Ich darf mich von Gott durch seinen Sohn so beschenkt fühlen, dass ich mit meinem ganzen Leben für Gott da sein darf. Denn in seinem Sohn hat uns Gott alles geschenkt, und wo diese unbedingte Liebe angenommen wird, da werden göttliche und menschliche Liebe eins. Von der Liebe geleitet gehe ich so meinen Weg der Nachfolge, verstehe ich mich gerufen zum Dienst vor Gott und den Menschen. Dabei darf ich gewiss sein: Weder Tod noch Leben, weder Engel noch Mächte, weder Gegenwärtiges noch Zukünftiges, weder Gewalten der Höhe oder Tiefe noch irgendeine andere Kreatur können uns scheiden von der Liebe Gottes, die in Christus Jesus ist, unserem Herrn. (Röm 8, 38-39) In der Liturgie der Priesterweihe wird der Bischof einmal zu mir sprechen: Empfange die Gaben des Volkes für die Feier des Opfers. Bedenke, was du tust, ahme nach, was du vollziehst, und stelle dein Leben unter das Geheimnis des Kreuzes. Dies ist ein starkes Wort, dies ist eine Platzanweisung für den Priester: unter dem Kreuz, hinter Christus, so wie es mein Bischof Franz Kamphaus einmal bei einer Weihe gesagt hat. Damit von der Kraft des Kreuzes nichts verloren geht, will ich unter euch nichts wissen, außer Christus als den Gekreuzigten (Vgl. 1 Kor 1,17.2,2) dies soll auch für mein priesterliches Leben Maßgabe und Richtschnur sein. Christus ist der Bezugspunkt meines Lebens. In der Feier der Eucharistie leuchtet ein weiteres wichtiges Moment auf: Die priesterliche Existenz ist gelebte Danksagung. Die Feier der heiligen Geheimnisse ist Quelle und Höhepunkt allen kirchlichen Lebens. Für einen Priesterkandidaten ist diese Erkenntnis der Eucharistie des Lebens ein kostbares Gut. Er wird hineingenommen in die Schule der Dankbarkeit, eine nie versiegende Quelle in der apostolischen Sendung. Die Dankbarkeit des Menschen macht ihn beziehungsfähig, macht ihn offen zu einem »Du«. Sie macht ihn zu einem Menschen, dem alles zum Sakrament der Begegnung werden kann. Ja, die Dankbarkeit selber wird zum Geschenk, für das man dankt, wie es in einer Präfation heißt: »Du bedarfst nicht unseres Lobes, es ist ein Geschenk Deiner Gnade, dass wir Dir danken«. |
Nicole (Name wurde geändert) fragt:
Die Sprache Gottes erlernen: P. Raniero Cantalamessa über die Macht des Wortes <zenit.org, Juli 11> Berufungspastoral in Europa heute: 98 Delegierte aus 21 Ländern trafen sich in Porto <zenit.org, Juli 10> Insbesondere möchte ich euch den Apostel Paulus zum Vorbild geben <zenit.org, Juli 9> | |||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||
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