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Wie ist es möglich, ein glücklicher Priester zu werden?
Interview mit Pfarrer Peter Bierschenk

FULDA, 30. Juni 2006 (ZENIT.org).- Können Priester ihre Berufung heute unbeschadet auch in der Mitte des Lebens verwirklichen? Kann ein Mann seine priesterliche Lebensform auch in Krisenzeiten und durch Brüche hindurch erfüllt leben?

ZENIT hat zu diesen Fragen mehrere Priester befragt. Pfarrer Peter Bierschenk (42), der vor knapp 17 Jahren, am 10. Dezember 1989, für die Diözese Fulda zum Priester geweiht wurde, bekräftigt in diesem Interview: "Ich glaube, es kommt entscheidend darauf an, nicht müde zu werden, stets wieder neu anzufangen." Er erzählt von seiner Berufung, vom Umgang mit den eigenen Schwächen, vom Weg durch Nacht und Wüste, vom Segen des Gebets sowie vom täglichen Kampf um die Treue zur göttlichen Liebe. Seit elf Jahren wirkt er als Seelsorger in der Region Marburg/Amöneburg. Dort übt er als Pfarrer seiner "Pfarrfamilie", der Pfarrei Niederklein im Pfarrverband mit Sankt Blasius und Sankt Elisabeth, seinen priesterlichen Dienst aus.

ZENIT: Woher wussten Sie, dass Gott Sie ruft, sich mit dem, was Sie sind mit allen Stärken und Schwächen in seinen Dienst zu stellen? Wie gelang es Ihnen, die Frage der Berufung zum Priestertum und zu einem zölibatären Leben zu klären?

-- Pfarrer Bierschenk: In meiner Grundschulzeit, gleich nach der Kommunion mit sieben oder acht Jahren, hatte ich sehr viel Freude am Ministrieren. In meinen Sturm-und-Drang-Zeiten habe ich das alles gelassen und ganz andere Dinge gemacht. Es war dann nach dem 9. Schuljahr, als mir immer klarer wurde, dass Gott mich ruft. Mittlerweile hatte ich auch Interesse an einer monastischen Lebensform entwickelt. Ich interessierte mich für das Leben als Ordenspriester, und besonders die strengen Orden wie die Trappisten waren es, die es mir angetan hatten. Wenn ich mich damit beschäftigte, spürte ich eine unbändige Faszination für die Radikalität der Lebenshingabe, die dort praktiziert wurde. Gleichzeitig kamen beim Gedanken an einen Dienst als Pfarrer innere Zweifel in mir hoch: Würde ich gut predigen können? Eine Gemeinde zu leiten, würde sicher unendlich viel Mühe kosten...

In der Oberstufe war mein Gebet: "Herr, es wäre toll, Benediktiner zu werden." Im Kloster Beuron, wo ich mich zuweilen aufhielt, gab es sogar seitens der Leitung die Akzeptanz dafür aber irgendwie fehlte etwas, diesen Schritt zu tun; etwas hielt mich davon ab; es fehlte wirklich der eindeutige Ruf dazu.

In meiner Gemeinde rieten mir sowohl der Kaplan als auch der Pfarrer, auf Klärungsweg meiner priesterlichen Berufung erst einmal ins Priesterseminar zu gehen; von dort, so meinten sie, könne man immer noch weitersehen, was Gott von mir wolle.

Sicher habe ich mich im Priesterseminar in Fulda auch gleich so wohl gefühlt, weil es auf einem uralten Benediktinerkloster beruht, das der heilige Bonifatius gegründet hat. So begann ich meine theologische und priesterliche Ausbildung mit einer grundsätzlichen Offenheit für einen entsprechenden Wechsel. Ich ging einen Weg, Etappe um Etappe, ohne genau zu wissen, was nach der nächsten Kurve kommen würde; aber insgesamt habe ich mich sehr wohl gefühlt.

Ehrlicherweise gestand ich damals Erzbischof Dyba im Skrutinium vor der Diakonenweihe, es könne sein, dass ich irgendwann noch einmal Benediktiner würde. Da entgegnete er mit seinem berlinerischen Akzent: "Ist es Ihnen hier im Bistum Fulda immer noch nicht streng genug?"

Nach der Priesterweihe spürte ich ganz klar: Hier bin ich richtig, das ist dein Weg: als Weltpriester. Die Freude, die ich dabei empfand, hat wahrhaftig gehalten, und ich habe seitdem nie Zweifel daran gehabt; das ist die Führung, die ich erlebt habe.


ZENIT: Man hört sowohl von Ehepaaren als auch von Priestern, dass manchmal der Schwung nach einer ersten Zeit der Begeisterung abflaut und sich ein Gefühl der Überforderung und der Resignation einstellen kann. Wie kann man solche Phasen aufrichtig konfrontieren und gestärkt aus ihnen herausgehen?

-- Pfarrer Bierschenk: Die eigene Wahrheit kann ich nur konfrontieren, wenn vorher meine Haltung zum Kreuz, zum Mittragen des Kreuzes Christi, in meinem Leben klar ist. Die Weiheliturgie verweist auf diese Etappen und schwierigen Momente, wenn sie die Kandidaten auffordert: "Stell dein Leben unter das Zeichen des Kreuzes." Es kommt nun darauf an, ob ich offen dafür bleibe; offen dafür, dass dieses Kreuz in meinem Leben fruchtbar werden kann.

Nur was wir uns persönlich eingestehen und dann dem Herrn geben, das wird fruchtbar, und so kann aus dem Durchstehen großer Konflikte und Probleme ein Akt der Liebe werden. Mir selbst hilft es, mir bewusst zu machen, das sogar eine Wüstenzeit gewissermaßen von Ewigkeit her zu Gottes Plan mit meinem Leben gehört; deshalb sind auch die Zeiten der Anfechtung und der Probleme letztlich sehr kostbar. Mir hilft da die kleine Theresia vom Kinde Jesu sehr, weil sie das sehr glaubwürdig vermittelt. In Krisenzeiten geht es ja um eine konkrete Form von Armut: um eine Armut, durch die Gott wirken kann.

Natürlich kommt es auch darauf an zu klären, was ich eigentlich suche. Ist es der Erfolg, dann kommt aus dieser Ecke auch der Frust. Ist es die Fruchtbarkeit des Evangeliums, dann ist auch ein trockener Akt der Liebe gesegnet. Suchen wir Erfolg, bleiben viele garantiert stecken, weil ja vieles gar nicht so läuft, wie wir uns das denken. Resignation kommt ja immer dann, wenn wir keinen Sinn in dem sehen, was wir tun.

Zur Liebe gehört das Kreuz, die Nacht, die Wüste. Wir haben unser "Kreuz" mit der Liebe, weil sie nicht nur Spaß macht und so ein gewisses "Feeling" mit sich bringt. Die Liebe muss sich bewähren, muss fruchtbar werden mit und ohne Erfolg. Wer diesen tiefen Glauben hat, dass er auch dann, wenn er in der Wüste der Erfolglosigkeit geht, in der Liebe bleibt, dessen Leben wird fruchtbar; und auf welche Weise es fruchtbar wird, das ist Sache Gottes.

ZENIT: Manche Priester klagen darüber, dass Sie keine Zeit für das "Eigentliche" haben. Wie sehen Sie die Chance, die Zielvorstellungen, die mit der Priesterberufung verbunden sind, auch tatsächlich zu verwirklichen? Welche Prioritäten gilt es zu setzen?

-- Pfarrer Bierschenk: Ich kann das, was Sie da sagen, sehr gut nachvollziehen, weil es mir manchmal auch so geht; weil ich mich ärgere, dass so viel Energie in die Verwaltung und das Gemeindemanagement geht, was mir sehr schwer fällt. Zuerst wehrst du dich dagegen und meinst, dass ist nicht dein Ding, und du ringst darum, dich für die eigentliche Seelsorge freizuhalten. Man kann da natürlich auch einiges lernen, um Arbeit wirklich zu delegieren und sich vom Druck zu befreien, dass die Leute von mir so eine Art perfektes Management erwarten.

Zu den eigenen Prioritäten zu stehen, ist gar nicht so einfach. Manchmal muss man auch Projekte ausfallen lassen, wenn sie entscheidende Zeit rauben und nicht jemand anderem übertragen werden können. Es gibt vielleicht auch Kräfte, die uns von Gott wegziehen. Die Treue zum Wesentlichen entwickelt sich dann wie eine Art geistlicher Kampf. Ich muss lernen, Gott um Hilfe zu bitten, um Unterscheidung. Es ist ein Kampf, mit meiner Leistung nicht unzufrieden zu werden und es mit Gottes Hilfe eben so gut zu machen, wie es eben geht.

Ich versuche, mir täglich Zeit zum Gebet zu nehmen, aber ich habe mein Gebetsleben auch nicht fest im Griff. Aber darum geht es ja auch nicht. Ich lebe schließlich nicht von meiner Perfektion, sondern von Seiner Barmherzigkeit. Ich glaube, es kommt entscheidend darauf an, nicht müde zu werden, stets wieder neu anzufangen. Ich brauche ja nicht alles im Griff zu haben, und es muss nicht so sein, dass ich aus mir heraus vollkommen bin.

Ich werfe mich immer wieder neu in die Arme der Göttlichen Barmherzigkeit. Gerade das Bußsakrament ist mir dafür zu einer riesigen Hilfe geworden. Und es geht mir gut dabei. Oft macht der Herr aus meinen Scherben das größere Kunstwerk auf seine Art und Weise. Ich glaube, wenn viele Priester das Bußsakrament wieder neu entdecken würden, hätten sie daran eine riesige Hilfe.

ZENIT: Welchen Rat würden Sie den jungen Priestern geben, die am Beginn ihres Berufungswegs stehen?

-- Pfarrer Bierschenk: Wenn man mich fragen würde, wie man den Zölibat erfüllt leben kann, dann würde ich sagen: Wenn du dein Leben zu einem Ausdruck der Liebe machst, dann wird dein Leben gelingen. Genauso wie die Ehe soll die Ehelosigkeit ja eine Form der Hingabe sein, dann wird sie auch gesegnet sein.

Gott als Partner zu entdecken, der uns beschenkt und zärtlich über dich wacht, ist das A und O für ein erfülltes Leben. Zu hören, wie er uns versichert: "Ich setze mich für dich ein." Wenn ich noch nicht den tragenden Gott entdeckt habe, wird Nachfolge schwer. Es ist so wichtig, zuerst zu entdecken, dass Gott mich trägt.

Das fängt schon damit an, dass du dir den Kopf darüber zerbrichst, wie du eine Predigt aufsetzen sollst. Wenn du dann in deinem Herzen vernimmst: "Ich schenke dir das. Du gib dich mir ganz hin. Suche zuerst Gottes Reich; dein Vater weiß, was du brauchst" das zu lesen, zu hören und zu betrachten, hat bei mir riesige Freude ausgelöst. Es wurde sogar zu meinem Primizspruch: "Suche zuerst das Reich Gottes."

Den Zölibat erfüllt zu leben heißt auch, mein Leben zu einem Ausdruck der Liebe werden zu lassen, mich hinzugeben für meine Pfarrfamilie. Entscheidend, so würde ich sagen, ist nicht die Lebensform, sondern die Liebe; nur so kann eine solche Berufung gesegnet sein. Liebe wird automatisch fruchtbar und hat immer als Frucht die Freude. Das ist letztlich das Entscheidende. Christus will durch mich Liebe schenken, und er will das tun, ohne meine Freiheit zu verletzen.

Wenn ich weiß: Ich bin berufen, diese Liebe zu leben; Christus will durch mich greifbar werden und seine Liebe durch mich allen Menschen schenken etwas Schöneres gibt es doch gar nicht!


ZG06063005

                                                                                                                                                                                                       
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