Welche Berufung ist höher einzuschätzen?  | Sabrina fragt: Lieber P. Klaus,
Meine erste Frage: Ich habe auf der Englischsprachigen Frage und Antwortseite gelesen, dass man mehr oder weniger die geistliche Berufung höher einschätzen kann als die Berufung zur Ehe, unter der Einschränkung, dass für die geistl. Berufung man ja auch mehr geben muss. Konkret gesagt habe ich mit dieser Aussage ein Problem. Wie kann es denn sein, dass man da einen Unterschied macht? Die Familien haben doch auch kein kleines Kreuz zu tragen. Ist es deshalb, weil die geistl. Berufung höher steht als die andere, erstrebenswert die geistl. zu wählen auch wenn man vielleicht dazu gar nicht berufen ist? Wenn ich Jesus alles geben möchte und ihm nachfolgen möchte, aber den Ehestand wähle, dann wird er es doch auch nicht als schlecht ansehen, oder? Er hat mir ja schließlich die Berufung gegeben und er wird mir doch nur das geben, was zu meinem Besten dient, oder? Ich bin jetzt echt ein bisschen verwirrt...
Meine zweite Frage ist: Kann es denn sein, dass man sich zu etwas berufen fühlt, konkret: die Ehe, aber es tut sich nichts in diese Richtung, d.h. z.B. man lernt keinen Partner kennen etc.? Oder hat man sich dann geirrt? Ich kenne mehrere Personen in meinem Bekanntenkreis, die vor diesem Problem stehen.
Meine dritte Frage: Kann man denn ein bisschen bei der Berufungsfindung nach den Sehnsüchten, die man schon immer hatte gehen? Also wenn ich mir schon immer vorgestellt habe, später mal- ganz klischeehaft- Haus und Kinder zu haben und ich nie an etwas anderes gedacht habe, dieses als Maßstab nehmen und mir dann sicher sein, dass ich zur Ehe berufen bin? Ich weiß, dass diese Frage sehr schwierig ist, aber vielleicht bekomme ich endlich mal eine konkrete Antwort...
Vergelt's Gott für diese Seite und dass man Fragen stellen kann und für Ihre Bemühungen, Sabrina
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Dein Reich
komme!
Liebe Sabrina in
Christus,
viele Grüße und herzlichen
Dank für Ihre Anfrage.
Gerne will ich Ihnen eine
Frage nach der anderen versuchen zu beantworten.
1. Kann man die Berufung zum
Ordensleben höher ansehen als die zur Ehe? Grundsätzlich nicht. Man muss einmal
ganz allgemein sagen, dass es nicht von der Art der Berufung abhängt, wie heilig
man lebt, d.h. wie sehr man Gott Freude bereitet, sondern mit der Art, wie man
seine konkrete Berufung lebt. So gibt es ja auch Heilige der Ehe, Heilige
Unverheiratete, und Heilige Ordensleute und Priester. Wir sollten da also keinen
Unterschied machen. Vielleicht sollte in der englischen Antwort, die ich
allerdings nicht kenne, ausgedrückt werden, dass ein Gottgeweihter Mensch im
Ordensleben mehr Möglichkeiten hat, Gott sehr nahe zu sein (vor allem durch das
regelmäßige Gebet); aber wie ich sagte, hat das nicht mit der konkreten
Heiligkeit eines Menschen zu tun. Wenn Sie sich also zur Ehe berufen sehen, dann
sollen Sie innerhalb dieses Lebensprojekts Gott und die Nächsten besonders
lieben.
2. Es kann durchaus sein,
dass man sich konkret zur Ehe berufen fühlt, sich da aber nichts tut. Denn Gott
schenkt uns zwar eine Berufung, aber er nimmt uns nie unsere freie
Entscheidungskraft und -fähigkeit. Das bedeutet, dass wir schon etwas dafür
tun müssen, dass eine konkrete Berufung auch in Erfüllung geht. Es ist also
durchaus möglich, dass ein zur Ehe berufener Mensch nicht den richtigen Partner
findet und da gibt es viele Gründe, die sich unserer Beurteilungskraft entziehen
(z.B. zu wenig dafür gebetet; nicht offen für den Partner, der eigentlich schon
da war; nicht großzügig; der Partner wollte nicht; sich in der Berufung
irren...).
3. Bei der Berufung muss man
unterscheiden: der gesunde Menschenverstand und ein Grundgefühl reichen vor
allem bei einer Ordensberufung nicht aus. Denn normalerweise können sich die
meisten Menschen, auch die mit einer Ordensberufung, das eheliche Leben gut
vorstellen. Doch irgendwann kommt dann eine innere Erfahrung, Stimme, ein
Drängen, das einen anderen Weg aufzeigt das ist der Ruf Gottes, der auf ganz
geheimnisvolle Weise den konkreten Menschen trifft. Wenn dieser Ruf nie in Ihrem
Herzen zu hören war, wenn Sie immer schon dachten, dass die Ehe Ihr Weg ist und
Sie auch heute noch davon überzeugt sind, ohne andere Wege seriös in Betracht zu
ziehen, dann können Sie sehr wahrscheinlich davon ausgehen, dass das Gott von
Ihnen möchte. Das ist allerdings schwer über Internet zu sagen, und man müsste
da regelmäßige Gespräche mit einem erfahrenen Priester, Ordensmann oder einer
Ordensschwester führen. Man nennt das geistliche
Begleitung.
Liebe Sabrina, ich hoffe,
ich konnte Ihre Fragen ein wenig beantworten. Letzlich ist unser Glaube eine
große persönliche Beziehung zu Gott, der in unserem Innern wohnt und uns leitet.
Vertrauen Sie auf Ihn, befragen Sie Ihn, und er wird Sie Schritt für Schritt
durch das Leben führen.
Gott segne Sie. Alles Gute.
In Christus, | |   |  | |  | Geben Sie hier Ihre Frage ein, um die Antworten in unserer Datenbank zu suchen. Wenn Sie keine Antwort finden, senden Sie Ihre Frage online an P. Klaus Einsle... | |  | |
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